Sprach- oder Schreibtipp der Woche (2. Woche 2000,
10.–16. Januar)

Die große Mail im engen Internet





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Soll ich dir eine e-mail, eine E-mail, eine email, eine Email, eine eMail, eine E-Mail oder eine e-Mail schicken? – Eusebius, der Sprachästhet, lässt sich nicht verwirren. Er fängt ganz von vorn an: Das englische „mail” ist eine Postsendung. Das „e” im englischen „e-mail” steht für „electronic”. Mit der „elektronischen Postsendung” ist eine schnelle, über das Internet laufende schriftliche Mitteilung gemeint.

Eusebius' Urteil: Die richtige deutsche Schreibung ist E-Mail. Das Wort ist in die deutsche Sprache aufgenommen worden, und als Substantiv muss es sich dabei die deutsche Großschreibung gefallen lassen.
Warum aber muss für das Adjektiv „electronic” ein großes E stehen? – Eusebius weiß Bescheid: Die beiden Wörter kommen nicht einzeln, sondern als  e i n  gemeinsamer Begriff ins Deutsche. Auch bei Fast Food, Soft Drink oder Public Relations zwingt das Substantiv dem zugehörigen Adjektiv die Großschreibung auf. Dadurch werden die beiden Wörter als  e i n  fremdwörtlicher Begriff erkennbar.

Nun schreibt man ja in der neuen Rechtschreibung Fastfood und Softdrink auch zusammen. Warum also nicht auch Email? Eusebius erklärt: Das E ist eine Abkürzung; sie soll noch zu erkennen sein. So wie die Deutsche Mark zur D-Mark, aber nicht zur Dmark wird, die haltbare Milch zur H-Milch, aber nicht zur Hmilch, so kann auch die E-Mail nicht zur Email werden.

Aber die E-Mail wird schon oft zur Mail verkürzt, und auch das Verb mailen ist zu Recht gang und gäbe. Selbst Sprachästhet Eusebius muss zugeben, dass „Du kannst mir ja mailen” auffällig kürzer ist als „Du kannst mir ja eine Mitteilung übers Internet schicken.”

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