Sprach- oder Schreibtipp der Woche (7. Woche 2000,
14.–20. Februar)

Die Nummern hinterm Rhein





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Eusebius, der Sprachästhet, hat durchaus auch ein Herz für technische Neuerungen. Mit Interesse liest er eine einschlägige Zeitschrift. Allerdings kann er die Artikel oft nicht zu Ende lesen. Ihm platzt vorher der Kragen. Manchmal prallt er schon mit dem Namen des neuen Dingens zusammen. Oft liegt ihm aber auch ein Detail wie eine Eisenstange quer über der Leseschiene. Heute entgleist er, wo es heißt, man habe die neuen Telefoniergeräte erprobt, indem man nationale und internationale Rufnummern wählte.

„Was, zum Teufel, sind nationale Rufnummern?!”, wettert Eusebius. Vor seinem geistigen Ohr erschallt Paukenschlagen und deutschnationales Dröhnen: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Wogenprall ...” Später, als der nationale Ruf verhallt ist, entnimmt Eusebius dem Artikel, dass man wohl einfach Ferngespräche im Inland geführt hat „(... zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!”). Man hat Inlandsnummern gewählt, Inlandsgespräche geführt, nicht nationale Gespräche. Telefonnummern sind kein bisschen patriotisch.

Eusebius grollt: „Eine Telefonnummer kann erst recht nicht international sein! Auch 100 Telefonnummern nicht!” Er steigert sich in die zweite Woge. „Ein Spendenskandal nimmt internationale Ausmaße an, wenn sein Schauplatz mehrere Länder umfasst. Am Sitz der UNO werden internationale Gespräche, also Verhandlungen zwischen mehreren Staaten, geführt. Aber was die Gerätetester gewählt haben, waren ausländische Telefonnummern. Sie haben Auslandsgespräche geführt.”

Eusebius ist die Lust am Weiterlesen vergällt ... Ihm sind seine Ortsgespräche schon teuer und stressig genug. Er sinniert noch: „Am billigsten sind Selbstgespräche. Und was dabei so beruhigt: Man ist mit dem Redner einer Meinung.”

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