Sprach- oder Schreibtipp der Woche (17. Woche 2000,
24. bis 30.April)

Beim Osterwanderungskuchenteigrühren

(Diese Geschichte war nur wenige Jahre richtig. Seit 1. 8. 2006 schreiben sich die Verben mit darüber-, darunter-, davor- und dahinter- alle wieder zusammen.)





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Mandy rührt gerade einen Kuchen ein, als Eusebius auf einen Sprung zu Kuno kommt. Der Sprachästhet hat schnell das aufgeschlagene Backbuch am Wickel. „Von deiner Mutter?”, fragt er.

Mandy bejaht, und der Ästhet erklärt: „Hier ist ‚darunterheben‘ und ‚darüberstreichen‘ noch zusammengeschrieben. Aber jetzt muss man trennen: Eischnee darunter heben ... Schokoladenguss darüber streichen.” – „Du kannst also beim Teigmachen jetzt mehr Pausen einlegen, Mandy”, sagt Kuno, „Backen mit Leertaste.” – „Aber getrennt nur bei Verben mit darüber, darunter, davor und dahinter”, erklärt Eusebius, „alle anderen, die mit da(r)-, her- und hin- anfangen, werden auch weiterhin zusammengeschrieben, also da...” – „... dabeisitzen beim Teigrühren”, fällt ihm Kuno ins Wort. – „Das geht ja. Aber dazwischenfragen beim Teigrühren!”, bemängelt Mandy. – „Also kurz: sich danebenbenehmen”, fasst Kuno zusammen, während Eusebius abgeklärt sagt: „Ich will das dahingestellt sein lassen. Aber her...” – Nun schneidet ihm Mandy das Wort ab: „... hereingeschneit kommen ...” – Und Kuno ergänzt: „... seinen Senf dazugeben ...” Und der Ästhet vollendet: „... und trotzdem nicht hinausgeschmissen werden, das muss ein Gast ersten Ranges sein. Ich würde mir übrigens die Rezepte aus dem Internet herunterladen.” – „Natürlich in neuer Rechtschreibung”, vermutet Kuno, „damit du dich nicht verbäckst.”

„Ihr könnt das morgen auf dem Ausflug entscheiden”, sagt Mandy, „entweder ihr lasst Eusebius’ virtuellen Internetkuchen herumspuken oder ihr müsst doch meinen realen Kuchen hinunterwürgen.” – „Toll, ihr könnt wirklich so schnell wie ich zwischen Kuchen und Sprache hin- und herschalten. Hab ich in den letzten Minuten nicht wieder ein paar schöne Beispiele aus euch herausgekitzelt?”, rühmt sich der Ästhet.

Unbeeindruckt vom Eigenlob des Gastes schiebt Mandy den Kuchen in den Ofen und fragt: „Wer will die Schüssel auslecken?” – „Ich”, rufen beide Männer zugleich. – „Hier, leckt”, sagt Mandy, „getrennt oder zusammen, dem Teig ist das egal.”

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