Sprach- oder Schreibtipp der Woche (21. Woche 2000,
22. bis 28. Mai)

Kosten mit dir und mit dich





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

„Das hast du dir aber was kosten lassen”, sagt Kuno, als er auswickelt, was ihm Eusebius zum Geburtstag geschenkt hat. „Oder muss ich sagen: Das hast du dich etwas kosten lassen?” – „In diesem Satz kann ‚kosten’ mit dich oder dir stehen”, beruhigt ihn Eusebius. „Aber mach dir nicht so viel Gedanken, du hast Geburtstag!”

„Gerade wenn man älter wird, sollte man nicht mehr so gedankenlos in den Tag hineinleben”, merke ich an. „Mein Geschenk hat mich oder mir 40 Mark gekostet.” – „Falsch”, sagt Eusebius nur. – „Ich werde doch wissen, was ich bezahlt habe”, entgegne ich. – „Du kannst nicht mich oder mir sagen, sondern nur mich”, versucht mich der Sprachästhet zu belehren, „also: ‚Das Geschenk hat dich 40 Mark gekostet.’” – „Aber du natürlich hast dich oder dir dein Geschenk etwas kosten lassen!”, ärgere ich mich. – „Ja”, sagt Eusebius nur. – „Weil ich ja nicht gedankenlos sein soll ...”, meldet sich Kuno, „ich verstehe das so: Das Geschenk kostet dich 40 Mark, kostet dich viel Geld oder kostet dich überhaupt nichts. Aber bei der Redewendung ‚sich die Sache etwas kosten lassen’ kann die Person im 4. oder 3. Fall stehen.” – „Richtig”, bestätigt Eusebius, „26 und doch schon so weise.” – „Na gut”, lenke ich ein, „einen wie Eusebius, für den Sprachkenntnis der Beruf ist, kostet fehlerfreies Sprechen eben keine Mühe, aber unsereiner soll ja fehlerfrei sprechen können und daneben noch einen richtigen Beruf haben. Oder kostet es einem wie Eusebius keine Mühe?” – „Nein, das erste war richtig”, sagt der Ästhet, „es kostet mich fast keine Mühe. Genau wie: Es kostet dich nur ein Wort, es kostet ihn ein Lächeln.”

Kuno, der am Herd den Geburtstagsbraten wieder und wieder begießt, weil wir noch auf Mandy warten, wirft ein: „Eusebius, wenn du als Deutschdozent öfter Fehler machst, kann dich das sicher auch die Stellung kosten. Oder kann es dir die Stellung kosten?” – „Ja, freilich, es kann mich die Stellung kosten”, erwidert der Ästhet. „Aber auch ‚Es kann mir die Stellung kosten’ ist nicht falsch. Also immer, wenn ‚kosten’ so viel heißt wie ‚einen Verlust zur Folge haben’”. – „Wenn ich mir unser Geschwätz noch mal durch den Kopf gehen lasse, dann ist ja der Akkusativ bei ‚kosten’ immer richtig, also: Es kostet   m i c h ...” – „Stimmt”, sagt Eusebius. Ehe ich ein lautes Oooh stöhnen kann, flattert Mandy herein und Kuno ruft ihr zu: „Wir sprechen grad von ‚kosten’. Kostest du mal die Soße?”

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