Sprach- oder Schreibtipp der Woche (23. Woche 2000,
5. bis 11. Juni)

Geschlossen ohne Urlaubs-s





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Zum Friseur geht Eusebius an einem Sonnabend. Denn da ist außer einer Azubi nur die Chefin da, die schöne Brit. „Das sind aber diesmal noch keine vier Wochen”, vermutet sie. – „Nein, nur drei, aber bei dieser Hitze sollte man sein Fell nur kurz geschoren tragen”, sagt Eusebius.

„Es ist eben Zeit, Urlaub zu machen”, erwidert Brit, „in acht Tagen ist’s bei mir so weit.” Und nicht lange darauf fragt sie: „Muss ich auf mein Schild eigentlich schreiben: ‚Wegen Urlaubs geschlossen’ oder ‚Wegen Urlaub geschlossen’?” Eusebius, stolz, dass die Schöne seine Kompetenz abruft, erklärt: „‚Wegen’ verlangt ja den Genitiv, also ‚wegen Urlaubs’ ist erst mal richtig. Aber wenn Wörter wie ‚Urlaub’, die im Genitiv auf -s enden, ganz allein bei ‚wegen’ stehen, lässt man heute das -s meist weg.” – „Also wäre auch ‚wegen Urlaub’ richtig”, fragt Brit nach. „Ja, sogar gebräuchlicher”, sagt Eusebius. „Man schreibt deshalb heute meist: ‚Wegen Umbau geschlossen” oder ‚wegen Rohrbruch’.” Während Brit ihn mit der Schere umkreist und mal links, mal rechts beäugt, damit die Koteletten gleich lang werden, fragt sie: „Und wenn ‚Urlaub’ nicht allein bei ‚wegen’ steht?” Sie hört wirklich zu, denkt der Sprachästhet und sagt: „Sobald auch nur ein Wörtchen vor dem Substantiv steht, hat das zwangsläufig das Genitiv-s zur Folge. Also: wegen eines Rohrbruchs, wegen längeren Urlaubs, wegen erneuten Umbaus geschlossen.”

Als Brit ihn seinen Hinterkopf im Spiegel sehen lässt, sagt sie: „Wegen Urlaub bitte erst in vier Wochen wiederkommen.” Und Eusebius: „Eine viel zu lange Zeit, schon wegen meines unstillbaren Kontaktbedürfnisses.”

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Bitte beachten Sie auch das Fußball-EM-Preisausschreiben in der Sprachstory Juni 2000.


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