Sprach- oder Schreibtipp der Woche (26. Woche 2000,
26. Juni bis 2. Juli)

Weil mittwochs der Trainer ging





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Die EM-Fußballspiele sehe ich mir mit Eusebius und Kuno im Fernsehen an. Allerdings „mit Unterstützung von ...” einer anderen Biersorte. Vor dem 20.45-Uhr-Spiel läuft bei uns der TV-Sender B1. „Guckt mal hier auf die Wetterkarte; B1 schreibt ‚heute nacht’ mit kleinem n”, sagt Eusebius, „vorhin schrieben sie ‚heute Abend im Programm’ mit großem A.”

„Sieht aus, als ob irgendwas falsch wäre”, folgert Kuno. – „Ist es auch”, sagt der Sprachästhet, „die Tageszeiten werden jetzt alle groß geschrieben, auch wenn sie bei vorgestern, gestern, heute, morgen und übermorgen stehen.” – „Also vorgestern Mittag mit großem M?”, frage ich. – „Ja”, sagt Eusebius. – „Und gestern Vormittag mit großem V?”, fragt Kuno. – „Stimmt”, sagt der Ästhet, „und morgen Nachmittag mit großem N und übermorgen Abend mit großem A.” – „Und mit großem N: heute Nacht oder nie”, vollendet Kuno. – „Heute Nacht oder nie?”, fragt Eusebius. „Willst du nach dem Spiel noch randalieren?” – „So würd ich das nicht nennen”, grinst Kuno; „sag uns lieber, wie man jetzt Wochentag + Tageszeit schreibt. Bei meinem Lehrer musste ich noch pauken: Am Dienstag abend verreisen wir (getrennt, weil einmalig), aber ihr habt am Dienstagabend eure Skatrunde (zusammen, weil regelmäßig).” – „Solche Regeln waren wirklich eine Strafe”, sagt Eusebius. „Jetzt schreibt man Wochentag + Tageszeit immer zusammen: Am Sonntagabend findet das Endspiel statt – egal ob nur an diesem oder an jedem Sonntagabend."

„E i n  Endspiel reicht mir schon”, meint Kuno, „man hat ja abends auch mal wieder was anderes zu tun.” – „A propos, abends: Es wird weiterhin kleingeschrieben, genau wie nachts und morgens oder freitags und mittwochs”, belehrt uns Eusebius noch. – „Und etwas kleiner kannst du montags schreiben”, sage ich. – „Warum?” – „Deutschland spielte montags gegen Rumänien 1 : 1.” – „Noch kleiner sonnabends”, ergänzt Kuno, „0 : 1 gegen England! Aber ganz schwarz und winzig dienstags, 0 : 3 gegen Portugal!” – „Wir brauchen andere Spieler”, meint Eusebius. – „Quatsch”, sagt Kuno, „die Spieler sind ja nicht zurückgetreten. Wir brauchen einen anderen Trainer.” – „Was soll der mit denselben Spielern?”, fragt Eusebius. – „Nichts”, sage ich, „er soll nur die Schuld auf sich nehmen.”

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Die Sprachtipps müssen leider beendet werden, denn die hohe Zahl von Korrekturaufträgen lässt dem Autor keine Zeit mehr dafür.


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