Sprachstory des Monats
Juni 2000

Ein Fußball-EM-Preisausschreiben





  
  
  
  



  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  
  
  



  
  
  

Vorrede eingedenk derer, mangels deren nichts geht
Eusebius sagt, selbst Schriftsteller und renommierte Zeitschriften seien in diesem Punkt oft unsicher. Sie schreiben derer, wo es deren heißen müsste. Falsch ist zum Beispiel: die Stunden, während derer wir schlafen, richtig ist: die Stunden, während deren wir schlafen. Die Schriftsteller können sich jetzt an mich wenden. Eusebius hat mich aufgeklärt. Die Merksätze sind einfach:

Bezieht sich dieses Pronomen auf einen  d a v o r  stehenden Begriff, heißt es stets deren. Also: Die Anlage, deren wir uns bedienen ... oder: Die Anlagen, deren wir uns bedienen ... Man spricht von Rückweisung, das heißt, deren weist zurück (<=) auf Anlage bzw. Anlagen.

Dagegen wird derer nur verwendet, wenn es um eine Vorausweisung geht. Das heißt, derer bezieht sich stets auf einen  d a n a c h  stehenden Begriff, zum Beispiel:
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen. Derer weist hier voraus auf (=>) die ums Leben kamen.

Worum es bei dem Preisausschreiben geht
Ein paar Tage nach dieser Lehrstunde schickte mir Eusebius einen Fußballkommentar zu einem Spiel, das noch gar nicht stattgefunden hat. Darin kommen das rückweisende deren und das vorausweisende derer so oft vor, dass kein Leser mehr deren und derer falsch verwenden wird, wenn auch der Kommentar dadurch recht gestelzt klingt.

Eusebius und ich, wir haben uns ausgedacht, den Sprachstory-Lesern folgende Preisfrage dazu zu stellen:
Aus welchem Land stammt der Berichterstatter und welches Spiel seiner Mannschaft meint er?

Eusebius und ich wissen natürlich auch noch nicht, auf welches der 31 Spiele der nachfolgende Kommentar am ehesten zutrifft. Wer sich alle Spiele ansieht oder sich über sie informiert, wird aber sicher sagen können, welche Mannschaft in welchem Spiel der schlechten Beurteilung durch den Kommentar am ähnlichsten war. Ihre Lösung mailen Sie bitte an info@korrektor030.de oder Sie senden sie an die Postadresse von korrektor030, siehe Homepage. Eine 3-Mann-Jury, die sich alle Spiele ansieht, bestimmt den Gewinner.
Der Preis: korrektor030 korrigiert Ihnen kostenlos 10 Normseiten Text. Wenn Sie nichts zu korrigieren haben, erhalten Sie wahlweise einen kostenlosen Friseurbesuch bei der Friseurmeisterin Brit, bekannt aus den Sprachtipps der Wochen 10, 15, 20 und 23. Für Frauen und Männer dürfte diese Variante aus unterschiedlichen Gründen attraktiv sein. Ihre Antwort senden Sie korrektor030 bitte bis 6. Juli 2000 zu. Jeder Leser darf nur eine Antwort einsenden. Bitte geben Sie an, welchen Preis Sie wählen würden.

Der EM-Spiel-Kommentar zum Preisausschreiben
Die EM ist eine Herausforderung, deren sich wohl nur noch einige Zuschauer bewusst sind und wegen deren sich auch gleich Tausende krankgemeldet haben, Zuschauer wie Nationalspieler. Anstelle der Sympathien, deren sich unsere Mannschaft früher erfreute, hört man jetzt nur noch die Spieler sich selber rühmen, und zwar der Bekanntschaft derer, die früher die Tore schossen.

Doch zum Spiel: Unsere Mannschaft, anstelle deren eher Statisten auf dem Spielfeld zu stehen schienen, bot ein geschlossenes Bild. Denn alle hatten die Spielmoral, deren das Team so sehr bedurft hätte, in der Kabine gelassen. Statt Schnelligkeit und Ausdauer, deren unser Spiel all die 90 Minuten ermangelte, sahen die Zuschauer Spieler, deren sich eine große Müdigkeit bemächtigt hatte. Sehenswert waren einzig die gegnerischen Angriffe, während deren unsere Verteidiger meist wie angewurzelt stehen blieben. Beifall und vereinzelte Zugabe-Rufe für einen unserer Leute gab es nur für zwei Schüsse, deren sich unser Spitzenstürmer rühmen konnte, denn sie landeten in der königlichen Loge. Die auffälligsten Bewegungen unserer Spieler waren noch Grätschen, mithilfe deren gegnerische Spielzüge freilich nur in gegnerische Freistöße und Tore sowie in mehrere Verletzte verwandelt wurden. Wir wiederholen: Es gibt im Sport Grenzen, jenseits deren Rowdytum und Körperverletzung beginnen. Kann der Nationalcoach nicht Spieler finden, denen er Beine machen kann, anstelle derer, die nur Beine stellen können?

Umsonst gesungen waren am Ende all die Anfeuerungsgesänge, deren sich die Fans nach der Pause freilich schon mehr und mehr enthalten hatten. Es war eines jener Spiele, die mangels derer verloren wurden, die für ihr Supergehalt auch Supereinsatz zeigen, eine jener traurigen Niederlagen, deren die Nation nun wirklich müde ist.

© www.korrektor030.de

Die Reihe der Sprachstorys muss leider beendet werden, denn die hohe Zahl von Korrekturaufträgen lässt dem Autor keine Zeit mehr dafür.


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